1972 entstand in Oberbayern auf einer 3.000 qm großen Sumpfwiese ein Gehege zur Erforschung des Verhaltens von Hausgänsen.
Sehr schnell kamen Wildgänse hinzu, dann verschiedene Wildentenarten, Fasanen und Rebhühner; um in Ansätzen eine vergleichende Verhaltensforschung im Sinne von Konrad Lorenz zu ermöglichen.
4 Jahre später sollten die Forschungen mit erweiterter Fragestellung fortgeführt werden, und ein Umzug an den Lech ermöglichte den Bau von 20 Volieren und mehreren grösseren Gehegen.
Hier reifte der Plan, aus dieser inzwischen stattlichen Vogelsammlung einen Vogelpark aufzubauen.
Nach längerer intensiver Suche fiel die Standortwahl auf das Gelände des Kirchengutes Wiedenhof in der Gemeinde Reichshof.
Zwei Jahre Planung und im Juni 1980 war es dann endlich soweit, mit 8 Mitarbeitern begann der Bau des Vogelparks Reichshof-Eckenhagen.
Inzwischen arbeiten ca. 40 Beschäftigte im Park, um seine Anlagen zu pflegen und zu erweitern.
Im August 1980 kamen die Grau- und Hausgänse in den Park und bis zum Winter waren Fasanen, Zierenten und Watvögel gefolgt bis schliesslich der Park am 1. Mai 1981 termingerecht mit ca. 150 verschiedenen Vogelarten und mehr als 1.000 Vögeln eröffnet werden konnte.
65.000 Besucher zählte der Vogelpark im Eröffnungsjahr; die sich an der Vielfalt der gefiederten Bewohner erfreuten.
Unter höheren Tieren aller Klassen sind die Vögel diejenigen, die das menschliche Gemüt am meisten ansprechen.
Sie tun das schon deshalb, weil ihre Ausstattung mit Sinnesorganen der unseren ähnlicher ist, als die der Säugetiere, obwohl diese uns verwandtschaftlich so viel näher stehen.
Das System sozialer Signale, die Sprache der Vögel, ist wie die unsere zum großen Teil akustisch, ihr Federschmuck, der größtenteils auch der Signalwirkung dient wirkt auch auf unser Auge.
Selbst Menschen, die der Natur sonst ziemlich entfremdet sind, haben für Vögel etwas übrig, auch moderne Dichter, wie z.B. Ringelnatz, besingen das Lied der Nachtigall, das im Herzen der Großstadt ertönt.
Der Vogel und sein Leben sind ganz besonders dazu angetan, dem mehr oder weniger verstädterten Menschen die Schönheit der Natur zum Bewußtsein zu bringen.
Aus diesen Gründen hat die Vogel-Liebhaberei, das Halten von gefangenen Vögeln, ihre volle Berechtigung.
Wenn der Tierhalter sich der Verantwortung bewußt ist, die er für sein Heimtier übernommen hat, so wird jeder Vogel im Käfig und jeder Fisch im Aquarium zu einem kleinen Prediger der Naturliebe, des Naturschutzes.
Das nahe Zusammenleben mit dem Heimtier weckt die Sympathie für das Wildlebende und vollbringt damit eine hoch wichtige Aufgabe der Volkserziehung.
Aus dem Gesagten geht hervor, wie sehr ich die Aufgaben eines Vogelparks, wie der in Reichshof-Eckenhagen, für wichtig halte.
Eine Institution seiner Art kann die ihm vorgeschriebene Aufgabe, einem breiten Publikum biologisches und insbesondere ökologisches Wissen zu vermitteln, nur dann voll erfüllen, wenn die gefangenen Tiere unter Bedingungen leben, unter denen sie ihre Lebensfunktionen so gut wie im Freileben vollziehen können.
Ein sehr gutes Kriterium für das Maß, in dem es gelingt solche Lebensbedingungen herzustellen, ist die Zucht.
In dem ersten Jahr seines Bestehens hat der Vogelpark Reichshof-Eckenhagen schon sehr beachtliche Zuchterfolge in seltenen Vogelarten vorzuweisen.
Ich beglückwünsche die Institution, in Dr. Werner Schmidt für den Vogelpark einen Leiter gefunden zu haben, der sich der Aufgaben, die ich eben skizziert habe, voll bewußt ist und ich wünsche dem Park und meinem Schüler, Herrn Dr. Werner Schmidt allen nur denkbaren Erfolg.
Konrad Lorenz, Nobelpreisträger